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Naturmagazin 04/2023: Arten- und Klimaschutz

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

die Auswirkungen des Klimawandels sind inzwischen deutlich spürbar. Extremwetterereignisse wie Dürre- und Hitzeperioden oder Starkregen und Hagel nehmen zu und setzen Ökosysteme sowie deren Lebensgemeinschaften, aber auch uns Menschen unter Stress. Besonders prominent sind diese Effekte an absterbenden Wäldern und zurückgehenden Seen zu erkennen. Weniger auffällig, doch in den Folgen genauso dramatisch, findet die Austrocknung von Kleingewässern statt, die damit z. B. für Amphibien nicht mehr als Laichgewässer zur Verfügung stehen. Die Folge ist ein Einbruch der Amphibienpopulationen in Brandenburg. Damit wird deutlich, dass Klima- und Biodiversitätskrise gemeinsam gedacht und angegangen werden müssen.

Im Umgang mit Wasser ist ein Paradigmenwechsel nötig. Die bisherige Ausrichtung auf eine Entwässerung der Landschaft und die schnellstmögliche Ableitung verstärkt die klimatisch bedingten Austrocknungstendenzen. Das Wasser muss länger in der Landschaft gehalten werden und Entwässerungssysteme wie Gräben oder Drainagen müssen zurückgebaut, unwirksam oder zumindest steuerbar gemacht werden. Die großflächige Unterbindung der Versickerung und Grundwasserneubildung muss gestoppt werden. Der Zielkonflikt zwischen Wasserrückhalt und Mindestabflüssen muss gelöst und die Priorität auf die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts gelegt werden.

Die Politik verfolgt derzeit leider fast ausschließlich technisch orientierte Lösungsansätze. Im Fokus der Klimaschutzmaßnahmen steht vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien. Das ist zwar vom Grundsatz her richtig, um die CO2-Emissionen zu reduzieren, die Belange der Natur dürfen dabei jedoch nicht vernachlässigt werden. Schutzgebiete als letzte Rückzugsräume für geschützte Arten und Korridore für Wanderungsbewegungen dürfen nicht für Windkraft- und Photovoltaikanlagen geopfert werden. Ökosysteme, die Kohlenstoff aus der Luft binden wie Moore und Wälder, müssen erhalten und in ihrer ökologischen Qualität aufgewertet werden. Nur wenn bei allen Klimaschutzmaßnahmen die Ansprüche unserer Natur adäquat berücksichtigt werden, kann es gelingen, Klima- und Biodiversitätskrise zu meistern.

Björn Ellner
Vorsitzender NABU Brandenburg

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