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Naturmagazin 03/2021: Streuobstwiesen

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

einen Hinweis darauf, wie lange schon der Streuobstanbau in der Kulturlandschaft Deutschlands wurzelt, liefert ein Blick in das Sortenverzeichnis. Dort, wo die Königin Viktoria Seite an Seite mit der Gräfin von Paris neben dem Geheimrat Dr. Oldenburg steht und der Triumph von Vienne nicht weit ist, atmet Historie.

Mit herrschaftlichen Dekreten begann die Blütezeit des Streuobstanbaus hierzulande. So erließ der Kurfürst August von Sachsen 1577 ein „Ehestands-Baumgesetz“, um den Obstanbau in seinem Reich zu fördern: Alle Ehepaare hatten vor der Hochzeit zwei gepfropfte Bäume auf frei zugänglichen Gemeindeflächen, den Allmendeflächen, zu pflanzen. Auch Brandenburgs Kurfürst Friedrich Wilhelm diktierte ein Jahrhundert später die Pflicht zum Obstanbau in ein Ehestandsgesetz und schuf damit den Grundstein für viele Pflanzungen.

Als traditionelle Form des Obstanbaus verbinden Streuobstwiesen eine sowohl weit- als auch althergebrachte landwirtschaftliche Nutzungsform – die Römer exportierten das Kulturobst vor rund 2.000 Jahren nach Norden – mit außerordentlicher biologischer Vielfalt. Altern Streuobstwiesen, entwickeln sie sich zu vielgestaltigen Lebensräumen, die Vögel, Fledermäuse, Kleinsäuger und Insekten beheimaten. Dienen sie neben dem Obstanbau auch noch als Weide oder werden gemäht, erstreckt sich die Lebensraumvielfalt vom Boden bis in die Kronen. Mit mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen Streuobstwiesen zu den artenreichsten Biotopen in Europa. Neben ihrer Bedeutung als Lebensraum und für die Erhaltung der genetischen Vielfalt unserer Obstsorten bereichern die Streuobstwiesen als buntblühende Hingucker die Landschaft und laden zum Verweilen ein. In Brandenburg widmen sich viele Initiativen der Pflege, aber auch der Neuanlage und Wiederherstellung von Streuobstbeständen. Um diesen ökologisch so wertvollen Lebensraum Streuobstwiese als Kulturgut und Quelle für Genuss zu erhalten, brauchen aber vor allem sein köstliches Obst, die Moste, Säfte und Obstbrände eine breite Wertschätzung und Perspektive.

Eine interessante Lektüre und viel Freude mit Ihrem Obst von der Streuobstwiese wünscht Ihnen

Dr. Holger Rößling
Geschäftsführer Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

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