Die beschriftete Zeit

Verfügbarkeit: Auf Lager
Gewicht: 240g
Abmessungen: 16cm x 24cm
ISBN: 978-3-941365-55-1
Seitenanzahl: 90

Preis: 24,00 €

Die Gedichte von Christiane Schulz sind Gedichte der Augen und Ohren, der Sinne, die das Ferne ins Nahe des Vergleichs und der Vermenschlichung holen und kaum je der Begriffe aus Tier- und Pflanzenkunde bedürfen. Ihre Gedichte vertrauen der Sprache, die sie aufbewahren. Sie benötigen weder Neuprägungen noch Auffälligkeiten, um sich dessen zu vergewissern, was sie vermitteln möchten. Dabei wird der versucherische Gedanke vermieden, die Natur rede zum Menschen. Sie bleibt eine autonome Sphäre, deren Phänomene die Beobachtung lohnen, auch wenn sie nicht die kleinen Offenbarungen bergen, denen die Bedeutungssucht noch einer Welt nachspürt, die der Transzendenz verlustig gegangen ist.

Gibt es – etwa wie die sächsische – eine märkische Dichterschule? Eine norddeutsche vielleicht? Gibt es das moderne Naturgedicht? Die Gedichte von Christiane Schulz, 1955 in Wildau geboren, legen solche Fragen nahe. Eine Verortung zwischen Wasser und Land, in den Übergängen, wird darin erfahrbar.
Christiane Schulz hält den Lesefluss auf: durch den Verzicht auf Zeichensetzung und das als stilistisches Mittel häufig zum Herstellen von Sinnüberlappungen genutzte Enjambement. Christiane Schulz bietet ihrem Leser Aufenthalt in fast schwerelos anmutenden Zuständen von Davor und Danach. Ihre freien Rhythmen sind melodiös, erzählend. Dabei ist die Autorin lyrisch präzise in jedem Detail; ihr Maß ist frei von Überfluss.

Wir / laufen viel zu schnell / an unserer Zeit vorüber (Um die Wette), schreibt Christiane Schulz. Es klingt wie ein Credo. Am Ende dieses Bandes ist der Leser keinen Schritt weiter, aber anderswo, als er war. Das ist, was Lyrik vermag.