Zum Exodus gezwungen (1933–1945)

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Gewicht: 300g
Abmessungen: 17cm x 24cm
ISBN: 978-3-941365-43-8
Seitenanzahl: 128

Preis: 19,90 €

In biografischen Essays werden drei Forscherpersönlichkeiten vorgestellt, deren außergewöhnliche Laufbahn in Berlin-Buch begann: der Elektronik-Ingenieur Jan Friedrich Tönnies (1902–1970), die Genetikerin Marguerite Vogt (1913–2007) und der Physiker Karl Günther Zimmer (1911–1988).

Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. med. Detlev Ganten.

Das in Berlin-Buch ansässige Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung war zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten eine hochmoderne Einrichtung. Danach erlitt es innerhalb weniger Jahre als Folge zunehmender politischer Einflussnahmen einen schwerwiegenden personellen und konzeptionellen Verlust. Politisch missliebige Wissenschaftler wurden vertrieben.

Von den verbliebenen Wissenschaftlern wurden im Herbst 1945 weitere Mitarbeiter von der sowjetischen Besatzungsmacht nach Russland deportiert. Auch dies war eine unmittelbare Folge der NS-Gewaltherrschaft.

Der Elektronik-Ingenieur Jan Friedrich Tönnies (1902–1970) trug mit bahnbrechenden technischen Erfindungen maßgeblich zur Entwicklung der Elektrophysiologie bei. 1934 erstmals Ströme vom menschlichen Großhirn. Tönnies arbeitete bis 1935 in Berlin-Buch und von 1936 bis 1939 am Rockefeller Institut in New York. Ab 1949 war er ein erfolgreicher Unternehmer, der in Freiburg im Breisgau eng mit der Universität zusammenarbeitete.

Nach einer in Berlin-Buch erarbeiteten genetischen Dissertation (1937) folgte Marguerite Vogt (1913–2007) ihren aus politischen Gründen aus dem Institut gedrängten Eltern an das private Hirnforschungsinstitut in Neustadt im Schwarzwald. Ab 1950 arbeitete sie am Caltech in Pasadena und später am Salk Institut in La Jolla (USA), vor allem mit Renato Dulbecco (1914–2012). Ihre Untersuchungen zur Virus- und Krebsforschung waren wegweisend und lieferten frühe Hinweise auf die genetische Natur von Krebs.

Der Physiker Karl Günther Zimmer (1911–1988) wurde als Mitautor (neben N. V. Timoféeff- Ressovsky und M. Delbrück) einer brillanten Abhandlung über Genmutation und Genstruktur (1935) bekannt. Mit grundlegenden dosimetrischen Arbeiten machte er sich um die Entwicklung der quantitativen Strahlenbiologie verdient. Nach seiner Rückkehr aus Russland arbeitete er ab 1957 in Karlsruhe und Heidelberg. Er gehörte zu einer Generation von Physikern, die die Entwicklung der modernen Biologie nachhaltig beeinflussten.

Prof. Dr. Volker Wunderlich (geb. 1939) studierte in Leipzig Chemie und arbeitete seit 1962 als Physikochemiker, Biochemiker und Krebsforscher in Berlin-Buch, zuletzt im Max Delbrück Centrum für Molekulare Medizin. Im Mittelpunkt seiner Forschungen standen die chemische Karzinogenese, Tumorvirologie und molekulare Tumorbiologie. Er lehrte in Halle/Saale, Leipzig, Berlin und Essen.